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Streitkultur gegen Machtrhetorik und Manipulation

Nicht jene, die streiten sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.
Marie von Ebner-Eschenbach

Über 5.000 Klicks auf XING – das Thema scheint interessant zu sein für Viele… ein Link zu der Analyse von Machtspielen eines Politikers macht neugierig.

Ja, es hat schon was, Zuschauer zu sein; das Schaudern über die Hilflosigkeit der Gesprächspartner mitzufühlen, und die Empörung zu spüren, dass man doch so nicht mit Menschen und Themen umgeht – wie im Gruselkabinett. Als ich einmal Beobachter eines derartigen Meisters war, kam ich mir vor wie im Zentrum eines Taifuns – und hab viel gelernt in diesen Momenten.

Jedoch – wenn man selbst Gesprächspartner eines Menschen ist, der diese Art der Gesprächsführung gekonnt einsetzt (ob bewusst oder intuitiv), dann spielen die Gefühle Achterbahn – zwischen Ohnmacht, Wut, Hilflosigkeit, Angst und Resignation, und die Fähigkeit, klar, überlegt und differenziert zu argumentieren, sinkt, man fängt eher an, sich zu rechtfertigen. „Ja-Aber“ z.B. ist ein klarer Hinweis auf eine Verlierersituation.

(Dass man in solchen Situationen irgendwie „be- oder gefangen“ war, wird einem deutlich, wenn man danach, wenn man raus ist aus der Situation, plötzlich vieles erkennt, einem intelligente und selbstbewusste Antworten einfallen, die alle sehr gut gewesen wären.)

Was braucht es, um mit derartigen Gesprächsmustern – die darauf angelegt sind, einen zu betäuben, einen verlieren zu lassen, klein zu machen; die einen veranlassen, wehrlos aufzugeben – (eine kleine Übersicht der alltäglichen „harmloseren“ Methoden können Sie sich verschaffen durch das Handout „Techniken der Manipulation“ – gerne auf Anfrage) anders umzugehen?

Ein paar Anregungen für Ihre Streitfähigkeit gefällig?

  • Erlauben Sie sich Aggressivität!

Nein, nicht als Wutausbruch oder Rachefeldzug – das ist absolut nicht souverän.

Aggressivität ist die Haltung, an der Ihr Gegenüber merkt: Oh, jetzt ist´s wirklich zu viel, jetzt hab ich den Bogen überspannt – und es wird auch unangenehm für mich, wenn ich so weitermache.  Sie wollen und Sie können sich wehren. Ein ganz schönes altmodisches Wort dazu ist Wehrhaftigkeit! Stopp, so nicht!

Die Konfliktforschung (z.B. „tit-for-tat-Strategie“) zeigt deutlich auf, dass die Fähigkeit zu kämpfen, erfolgsbringend ist. Der Gesprächspartner muss erkennen, dass seine Spielzüge, die mir schaden, nicht akzeptiert werden.

Aggression ist nicht Wut oder Empörung, am ehesten noch Zorn, frei nach dem Zitat, das Papst Gregor zugesprochen wird:
„Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.“ (nach Georg Schramm).

Viele Menschen, einschließlich des Verfassers, haben nicht gelernt, gut zu kämpfen, zu raufen. Erst in meiner Ausbildung zum Aggressionsberater habe ich gelernt, einen guten Zugang zu finden zu dieser wunderbaren Lebensenergie.

  • Hegen und pflegen Sie ihr eigenes Wertesystem eines respektvollen Umgangs mit anderen Menschen, egal, was kommen wird

Diese Verbundenheit mit den eigenen Werten ist der Schutz vor Rache! Sonst fallen Sie nur in dasselbe Muster wie Ihr machtsuchender, manipulativer Gesprächspartner –  höchstens das wär’ ein Teil Ihres persönlichen Wertesystems.  Dann wird daraus nur ein Machtkampf – in dem der „Rücksichtslosere, Hemmungslosere“ gewinnt. In meiner Jiu-Jitsu-Ausbildung wurden wir immer wieder gewarnt: „Lass Dich nicht ein mit einem Wirtshausschläger, er hat definitiv weniger Hemmungen wie Du!“

Erlauben Sie sich Staunen und Neugier darüber, wie Menschen sein können – und fragen Sie ganz interessiert danach, was Ihren Gesprächspartner dazu veranlasst, so „ungewohnt“ zu argumentieren.

  • Schätzen und achten Sie Ihr Wissen, Ihre Kompetenz, Ihre Fähigkeiten

Stoppen Sie die auftretenden Selbstzweifel, verbunden mit der Selbstabwertung: oh, ich hab’ was falsch gemacht; ich bin nicht richtig, bin nicht kompetent genug.  Dann wird aus der Kränkung zusätzlich noch eine Selbstkränkung.

Verbundenheit mit dem eigenen Können macht Mut.

Mut ist die ergänzende Kraft zur Angst. Angst ist ganz normal in Kampfsituationen. Angst zu verlieren, Angst, verletzt zu werden, Angst vor dem Zerstörerischen in sich selbst (Rache).

Natürlich machen Sie mal Fehler, wissen nicht alles.  Die beste Argumentationsmethode dafür: „Ja, in dem Punkt haben Sie recht.“ Oder: „Da sind wir wohl sehr unterschiedlicher Meinung.“

Wenn Sie davor ein klares deutliches Stoppsignal gegeben haben, fällt diese Form der Souveränität leichter.

Die Grundbotschaft lautet: „So nicht! Anders können wir gern weiter miteinander reden“

Im zweiten Handout erhalten Sie eine Übersicht für Grundhaltungen im Umgang mit Manipulationen, auch mit ein paar Gesprächsmethoden.

Zum Abschluss zwei Beispiele nach demselben Prinzip: sich nicht einfangen lassen, das Spiel durchbrechen:

Ein Kollege hat mich immer wieder geärgert, indem er mein Auto (einen Kleinwagen) kritisierte und mich mit dazu. Immer wieder fiel ich darauf rein und verteidigte es durch Statistiken und, und, und… sein süffisantes Grinsen blieb. Bis ich bei einer folgenden Begegnung (auf Anregung eines anderen Kollegen; Danke, Christian) sagt: „Schade, dass Dir mein Auto nicht gefällt“.  Und wegging. Ich sehe heute noch das verdutzte Gesicht.

Churchill sagt man folgende Geschichte nach:
Eine alte englische Lady soll ihm zugerufen haben „Wenn Sie mein Mann wären, würde ich Ihnen Gift geben!“
Seine Antwort: „Wenn Sie meine Frau wären, würde ich es nehmen.“

Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit Machtspielern, welche Anregungen können Sie geben für die LeserInnen? Oder haben Sie Fragen dazu? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag…

Über die Fähigkeit zur Selbststeuerung… 

Sie sind gefordert: „jumping targets“ und permanente veränderte Risikobewertungen, nichts ist wirklich sicher –  ständig neue Projekte mit anderen Menschen, ineinander geschachtelt – der berühmte „Sack Reis, der in China umfällt“, erhält plötzlich Bedeutung, mit der keiner gerechnet hat –  und jede Ihrer Entscheidung ist voller Zielkonflikte.

Die rationale, kognitiv-analytische Seite in uns, die Logik, ist dieser Komplexität (Nichtbeherrschbarkeit und Nichtkontrollierbarkeit) allein nicht gewachsen.
Gefühle werden zu immer mächtigeren Steuerelementen des Führens und Entscheidens. Freude, Neugier, Zuversicht, Tatendrang und Mut werden durchmischt/überlagert von den unangenehmeren Gefühlen wie Ohnmacht, Unsicherheit, Angst, Wut, Ärger, Empörung.
Ob Sie stimmig handeln, (selbst-) bewusst, souverän, authentisch, verantwortungsbewusst und wirkungsvoll – oder aktionistisch, fatalistisch, abwertend-überheblich, konkurrenzorientiert – das wird sehr stark durch Ihren Umgang mit Ihren Gefühlen gesteuert.

Und für Sie als Führungskraft sind da zusätzlich noch die Gefühlswelten der Mitarbeiter, die die schöne Arbeitswelt „stören“. Und das sind nicht nur Gefühle von „Friede, Freude, Eierkuchen“. irrationale Argumente, Fatalismus, Wut und Tränen, überzogene Forderungen und und und….

Alles zusammen ist manchmal ganz schön heftig!
Wie damit umgehen? Wegdrücken? Verdrängen?  Einfach rauslassen? Cool bleiben? 

Fähigkeit zur Selbststeuerung ist das Lernfeld und wird zu einer Kernkompetenz. Die Selbststeuerungsfähigkeit der Mitarbeiter zu aktivieren, ist ein zentrales Führungsinstrument.

Es klingt für viele erst mal widersprüchlich:  Um all die Ansätze, die es gibt für den Umgang mit komplexen Situationen zur Wirkung bringen zu können, braucht es einen klaren Kopf – und den gibt es nur, wenn auch die Gefühlswelt klar ist – sowohl in mir selbst als auch im Gegenüber.
Es geht dabei nicht um Selbstkontrolle oder Selbstbeherrschung, sondern um die integrierende Steuerung aller in der Persönlichkeit wirksamen Kräfte.
Daraus entsteht verantwortungsvolles, klares Handeln in der VUCA-Welt.

Zunächst eine gute Nachricht aus Sicht der Neurobiologie:  Selbststeuerung ist eine Fähigkeit, die man lernen kann!

Die folgenden ausgewählten Ansätze finden wir dazu wirkungsvoll:

Das Konzept der autonomen Persönlichkeit ist ein Zielbild der Persönlichkeitsentwicklung aus der Transaktionsanalyse:

Autonomie ist beschrieben durch die

  • Bewusstheit: Die Fähigkeit, sich selbst (staunend) zu beobachten, sich selbst als denkendes, fühlendes und handelndes Subjekt wahrzunehmen und zu reflektieren. (Damasio nennt das den Selbst-Sinn)
  • Spontaneität: Die Fähigkeit, situationsangemessen aus einem großen Repertoire an Optionen des Denkens, Fühlens und Verhaltens wählen zu können ( im Unterschied zu einem reflexhaften Abspulen gewohnter Muster)
  • Intimität: als Fähigkeit, wahrhaftig, offen und ganzheitlich anderen Menschen begegnen zu können
Das Konzept der Emotionalen Intelligenz von Goleman:

Goleman gibt dem kognitiven Lernen ( „Spock-Intelligenz“) als Gefährten das emotionale Lernen zur Hand. In der aktuellen Neurobiologie entspricht dies auch den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Prozesse im Gehirn. Fünf Fähigkeiten gehören dazu:

  • Die eigenen Emotionen kennen
  • Die eigenen Emotionen handhaben
  • Emotionen in die Tat umsetzen, einem Ziel dienlich machen
  • Empathie für die Emotionen anderer
  • Aktive Beziehungsgestaltung in Bezug auf emotionale Dynamiken

Eine interessante, wenn auch amerikanisch-plakative Erweiterung findet sich bei Chade-Meng Tan, „searching inside yourself“, eine Darstellung eines zentralen Aspektes des Google-PE-Konzeptes.

Das Konzept der Achtsamkeit und Präsenz (persönliche wie auch organisationale):

Sehen Sie mal ab von ommmhhh etc.!  Natürlich ist (ZEN-) Meditation eine sehr wirksame Methode – jedoch nicht Jedermanns-Sache.
Es gibt jedoch genauso interessante und wirkungsvolle Ansätze wie Atemmethoden, andere körperorientierte Ansätze wie Yoga etc.. oder die Körperintelligenzansätze von Bryner/Markova oder Karl Grunick.
Eine Entscheidung gehört jedoch immer dazu:  Die Verantwortung für das eigene Denken, Fühlen und Verhalten bewusst zu übernehmen.

Frei nach dem Motto:  Sie MÜSSEN NICHTS auf eine bestimmet Art tun, jedoch die Verantwortung für die Auswirkungen, Risiken und Nebenwirkungen Ihres Tuns, die haben Sie.  Oder wie es Viktor Frankl ausgedrückt hatte: „ich muss mir von mir selbst auch nicht alles gefallen lassen!“

Konzeptionelle Aspekte  aus der sokratischen Philosophie:

Ein interessanter Ansatz kommt noch aus der Philosophie. Hannah Arendt beschreibt in ihrem Buch über Sokrates die Bedeutung des reflektierenden und klärenden Dialogs. In abgewandelter Form lässt sich daraus die Führungsaufgabe ableiten, die Bürger/ Mitarbeiter wahrhaftiger zu machen  ( Seite 49). Geklärte, wahrhaftige Bürger gehen verantwortungsvoll mit dem Gemeinwesen um.  Eine sehr alte Wurzel des Denkens, das heute wieder in neuen Gewändern seine Bedeutung gewinnt.

Und was tun Sie, um sich Sicherheit und Souveränität auch in den schwierigsten Situationen zu erhalten?

Interessante Literatur hierzu:
J. Bauer, Selbststeuerung – die Wiederentdeckung des freien Willens
Antonio R. Damasio, Ich fühle, also bin ich – Die Entschlüsselung des Bewusstseins
Chade-Meng Tan, Search Inside Yourself 
I.Stewart/ V.Joines, Die Transaktionsanalyse
H. Arendt, Sokrates – Apologie der Pluralität

Anregendes und Aufregendes

Herzlich Willkommen auf dem Blog:
Leistungspotenziale system-intelligent realisieren

von der Beratergruppe  die-Unternehmerberater eG

Wir laden Sie ein, sich inspirieren, anregen, vielleicht auch aufregen zu lassen zu verschiedenen Facetten des Arbeitslebens. Die Bandbreite reicht dabei vom visionären Gestalten eines Unternehmens über Changeprozesse und Konfliktthemen bis hin zur ganz persönlichen Ausrichtung der eigenen beruflichen Lebenswirklichkeit. Inhaltlich geht es von allgemeinen Betrachtungen bis zu konkreten Handlungsmöglichkeiten.

Die Themen und Gedanken entstehen zum einen aus konkreten Erfahrungen und Projekten. Zum anderen aber auch einer weiten Betrachtung der Beratungslandschaft und unserer spezifischen Positionierung darin als Berater, Trainer, Coaches.

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